Blogger oder Influencer – Blogger-Agenturen und Blogger-Events

In den letzten Wochen und Monaten wird in vielen Foren und Gruppen wieder gerade bei neuen, kleineren und mittleren Blogs reklamiert, an neue Kooperationen bekommt man gar nicht dran oder wird ausgenutzt. Neue „sogenannte“ Blogger-Agenturen werden meistens von Bloggern mit kleinerer Reichweite gestartet um nun alle Blogger fair zu betreuen und allen etwas vom großen Kuchen abzugeben. Doch wohin führt der Weg.

Blogger oder Influencer – Geht es bei Einladungen und Kooperationen noch um Blogs?

Verschiedene Blogger unter den „Dächern“ von Blogger-Agenturen zusammenzufassen gehört schon seit Jahren zum täglichen Geschäft und bis auf sehr wenige Ausnahmen endet es meistens erfolglos. Ein paar ganz wenige Big-Player halten sich berechtigt auf dem Markt und betreuen Ihre Aushängeschilder erfolgreich. Ein paar wenige Blogger, die die Blogger-Agenturen verlassen haben, äußern sich (natürlich) negativ über die Kooperation, aber wer bei den großen Agenturen unter Vertrag ist, eine entsprechende Reichweite hat, äußert sich meistens zufrieden. 

Gerade in den letzten Monaten liest man unheimlich häufig auf den verschiedenen sozialen Kanälen – „Ich mache gerade was ganz tolles – kann euch aber noch nicht davon erzählen“ – und dann kommt einige Wochen später die Lösung – „Ich mache eigene Blogger-Agentur auf und betreue euch alle ganz fair“. Der Haken ist nur – es ist ein Business und da gibt es nur zwei Wege: 

  • Bin ich fair zu allen und gebe die Kooperationen 1:1 an die Blogger weiter, kann ich selbst nicht davon leben und es endet wie oben beschrieben
  • Bekomme ich einen großen Anteil selbst vom berühmten Kuchen für die Kooperation, gehe ich genauso wieder an die Blogger ran und halte diese Blogger künstlich klein. Ich habe nur für mich den Nutzen daraus gezogen, aber das Problem nicht wirklich gelöst

Natürlich wird es ein paar Blogger nun geben, die mit den Agenturen für sich Erfolg haben, einige Kunden beeinflussen können und die besten Freundinnen als die genaue Zielgruppe für den Kunden vorstellen können. Eine Win-Win-Situation für die Blogger-Agentur und der Kunde bekommt ein paar Blogger, die darüber schreiben. Ob es die Zielgruppe ist, die Reichweite entsprechend ist, bleibt einmal dahingestellt, aber zumindest „die Freundinnen mögen mich noch“.

Doch ist es überhaupt noch der Weg der heute häufig verlangt wird? Wenn man sich mit vielen Bloggern auch von kleineren oder mittleren Blogs unterhält, so gibt es immer mal wieder kleine Kooperationen, von denen man ganz nett nebenbei etwas erhält – aber davon leben können? Das können nur ganz wenige Blogger, denn der Markt hat sich längst geändert.

Wo ist meine Zielgruppe – wie erreiche ich als Unternehmen meine Zielgruppe?

Galt es vor einigen Jahren auch noch, ich lade einmal für eine Hotelvorstellung zehn Reiseblogger ein, weil mein Hotel das Thema Reise betrifft, die Blogger über Reise schreiben und es eigentlich Erfolg haben müsste, so hat man diese Taktik – glücklicherweise – angepasst und gelöst.

Was nützen mir viele kleine Reiseblogs mit relativ schlechten Auftritten in Social Media Kanälen, wenn ich für einen geringeren Kostenaufwand einen Influencer wählen kann, der mindestens die gleiche Masse an Personen anspricht und eine viel höhere Affinität für das Produkt und die Weitergabe an die Follower vermitteln kann.

Wurde früher für Blogger ein Budget von 5.000 – 10.000 EUR für ein Kooperation bereitgestellt und man konnte dann 10-20 Blogger einladen, so kann ich die gleiche Botschaft über die Kanäle wie Instagram einer viel höheren Gruppe an Followern zu einem viel geringeren Preis vermitteln.

Ich erreiche zwischen zwei und fünf Millionen potentielle Follower bei Instagram für die gleichen Kosten, wie eine Kooperation mit zehn bis zwanzig Reise-Bloggern (mit durchschnittlichen Reichweiten), wenn ich nur ein Produkt platzieren möchte. Bei einer Reise stellt sich natürlich die Frage, lasse ich zehn Bloggern einfliegen oder einen großen YouTuber mit einer treuen Community und einer viel höheren treuen Community.

Natürlich ist die Zielgruppe nicht 1:1 wie bei einem Reiseblogger, doch wenn ich nur 5% von 3.000.000 Followern anspreche, aktiviere ich noch immer 150.000 Menschen (im Vergleich zu 20 bis 30 Tausend Gesamt-Followern bei zehn Reisebloggern)

Blogger oder Influencer – Blogpost oder Instagram oder YouTube-Video

Man braucht gar nicht mehr groß schauen, qualitativ hochwertige Blogposts werden auch in den nächsten Monaten und Jahren noch gebraucht werden, doch dieses sind häufig keine „Massenkooperationen“ mehr, sondern individuelle Berichte mit einem gewünschten Themen-Schwerpunkt.

Was nützt es mir als Marke, wenn alle fünf Tage der Bericht über den „besten Hotelaufenthalt“ auf einem kleinen Blog erscheint und sich der Vorgang 20 bis 30 Mal im Jahr wiederholt. Der neue Mehrwert ist nicht vorhanden und die Berichte werden vielleicht einmal 1.000x gelesen.

Bei einer Hotelvorstellung mit Spa- und Wellness, gehobenem Restaurant und toller Unterkunft ist es natürlich auch für ein Hotel und eine Marke viel einfacher zu koordinieren, wenn ich einen Blogger gezielt auswählen kann, der an einem Wochenende, wo die Belegung gering ist, das Haus erlebt und vorstellen kann.

Ich muss mir als Marke keine großen Gedanken für das ganze Tagesprogramm machen, die Verpflegung ist natürlich einfacher und zwei Termine im Spa-Bereich sind am Wochenende leichter zu koordinieren, als 20 Blogger und Begleitungen. Je nach Auswahl des Bloggers und der Reichweite bzw. Zielgruppe kann der Blogpost des einen Bloggers mehr bewirken, als eine ganze Blogger-Gruppe.

Wenn ich jedoch einen Autoblogger zu einem Kochevent einlade oder einen Foodblogger oder Backblogger zu einer Hotelvorstellung über mehrere Tage, kann ich die gewünschte Zielgruppe einfach nicht ansprechen und muss mich im Nachgang natürlich nicht über die verfehlte Platzierung wundern. 

Wenn der Blogger sowieso nur 20.000 Besucher im Monat anspricht, die Zielgruppe sich beim Foodblog jedoch nur für fünf Prozent für Hotels interessieren, brauche ich mich nicht wundern, dass maximal 1000 potentielle Leser keine Steigerung der Buchungszahlen bewirken, es sei denn, der Blogger ist ein großer Influencer und kann seine Masse an Followern auf anderen Kanälen aktivieren… 

Blogger oder Influencer – Frustrierende Erlebnisse

Schaut man sich die Ergebnisse in den letzten Wochen ein wenig kritisch an und hinterfragt so manche Berichte, so merkt man direkt, die ganze Blogger-Welt ist nicht mehr groß harmonisch. Hier wird auf der einen Seite über Blogger gelästert, die zu PR-Events mit großen Taschen anreisen und man selbst würde alles anders machen, auf der anderen Seite wir gelästert, wer die Einladung nicht richtig gelesen hat, obwohl der Hinweis für große Taschen extra vermerkt wurde.

Die Blogger-Welt ist schon längst in sich zerstritten, immer häufiger geht es nicht darum, was bekomme ich selbst, sondern viel eher – was bekommen andere „mehr“ als ich. Der Wert des Blogs wird nur noch an Kooperationen anderer Blogger gemessen und nicht mehr am eigenen Erfolg.

Ich habe schon häufiger bei meinem Zeitmanagement-Seminaren erklärt, dass man sich von viel zu vielen Dingen ablenken lässt und nicht auf die eigenen Ergebnisse fokussiert.

Wenn ich auch bei mir hinterfragen würde, warum bekommt die Bloggerin X den Auftrag, den ich gerne hätte und warum habe ich den Auftrag bekommen, für den eigentlich die Bloggerin Y auch geeignet wäre, würde man selbst mit den Aufgaben nicht mehr fertig und würde nur noch nachdenken – anstelle mich selbst auf meine Aufgaben zu fokussieren.

Blogger oder Influencer – Geht es noch um mich und meinen Blog oder geht es darum – was andere Blogger bekommen

War der Grundgedanke eines Blogs nicht auch über Erlebnisse zu beschreiben, so sieht man heute immer häufiger, dass wie früher in der Schule versucht wird, „Cliquen“ zu gründen. Wer nicht im ersten Kreis mitspielen darf, muss in den zweiten Kreis und darf auf keinen Fall zur Seite schauen.

Es sind regionale Gruppen, es sind Gruppen nach Reichweiten oder Themenschwerpunkten, doch es sind immer häufiger neue Gemeinschaften, die sich zum Ziel gesetzt haben, alle Blogger ganz fair zu vertreten und allen gemeinsam vom Kuchen etwas abzugeben. ;-) (#Ironie!)

Schaut man jedoch einmal auf den Erfolg der verschiedenen Blogs, die Anerkennung von außen oder die Reichweiten, so sind es in der Regel fast alles Blogs, die für sich alleine „kämpfen“, die sich nur für die eigenen Themen interessieren und sich darauf fokussiert haben. Unabhängig ob Modeblog oder Technikblog, Lifestyleblog oder Reiseblog – wer fokussiert mit seinem „eigenen Produkt“ arbeitet, wird häufig belohnt.

Wenn ich heute über die berühmten Strandkörbe in Grönland berichten würde, wäre es auch nicht mein Thema und wäre nicht erfolgreich. Ich würde mich mit den Reaktionen beschäftigen und mich für die nächsten Tagen und Wochen ablenken lassen, nur damit ich einmal etwas vom „Kuchen Grönland“ abbekommen würde.

Doch der eigentliche Fokus meines Blogs würde zurückbleiben und mich unglaublich viel Zeit kosten. Interessante Kooperationen, die man als Blogger durch Fleiss und Ausdauer erhält, würden abgeschreckt werden und zurückbleiben.

Ich kann vielen Bloggern, die mit dem Blog am Anfang stehen oder auch deren Reichweiten noch nicht so weit sind nur empfehlen, bleibt bei euren eigenen Stärken und überlegt es euch mehrmals, was euch eine Agentur bringen kann. Bringt euch die „neue Bloggeragentur“ wirklich einen Fortschritt und welche Erfolge hat die Gründerin nachzuweisen.

Vielleicht ist diese gar nicht viel erfolgreicher als ihr, sondern stellt sich nur anders in der Öffentlichkeit dar.

Bei einigen wenigen großen Bloggern lohnt sich sicherlich die Kooperation mit einer großen Blogger-Agentur, die viel tägliche Arbeit abnimmt, damit sich die Blogger wieder auf die wesentlichen Faktoren konzentrieren können, aber häufig muss es noch nicht einmal eine Agentur sein, sondern es reicht eine gute Freundin oder Partnerin im Hintergrund, die euch den Rücken frei hält…

Verfallt nicht jeder Versuchung mit einer Blogger-Agentur oder einer tollen neuen Kooperation um ganz schnell durchzustarten. Viele Blogger haben die Motivation damit verloren – und vor allem sich selbst verstellt. Das bedeutet häufig den Anfang vom Ende eures Blogs…