Müssen Blogger in Schubladen passen? Welche Nische gibt es? Darf man nur langweilig?

In welche Schublade passt mein Blog, welche Kategorien sollte ich wählen? Soll ich einen Fashionblog gründen oder bin ich ein Lifestyleblogger? Wie finde ich als Blogger meine Nische und muss man als Blogger einen Modestyle beachten? Darf man als Blogger nur brav und lieb sein, wenn man Erfolg haben möchte oder bekommt man dann einfach weniger Hater? Darf man als Blogger noch Jeans tragen oder Turnschuhe? Viele Fragen die die letzten Wochen auf mich eingewirkt haben und mich zum Nachdenken angeregt haben.

Müssen Blogger in Schubladen passen? Welche Nische gibt es? Darf man nur langweilig?

Muss der Look immer mit Rüschen und Blumenkleidern sein oder darf es auch einmal eine enge Lederhose und hohe Pumps sein? Die Frage habe ich mir in den letzten Wochen und Monaten häufig gestellt und es gab immer wieder den Hinweis „Blogger müssen brav wirken“. Problem nur – ich bin nicht brav und ich gehöre auch nicht in die Generation jeden Tag mit Sneakers und jeden Tag ohne Make-up oder maximal „nude Lips“ oder mit langen blonden Löckchen –  ich bin kein Engelchen und halt auch keine 16 Jahre alt mehr…

Ich hinterfrage gerne auch eine Kooperation, warum sollten wir zusammenarbeiten? Was habe ich davon und wie kann sich „meine Marke“ mit der Marke des „Kunden“ ergänzen? Geht es nur um die Anzahl der Follower, der potentiellen Likes oder weil die Seite schnell gefunden wurde und es schon passen würde? Möchte man „mich“ als Person haben – oder bin ich nur „Mittel zum Zweck“…

Wenn man dann von einer neuen Mitarbeiterin einen Hinweis erhält – dein Look passt nicht mehr zu unserer (bzw. ihrer) Ausrichtung, dann fängt man natürlich an zu überlegen. Möchte ich auch in diese Schubladen passen. Brave Modebloggerin aus Köln, Hamburg, Frankfurt, Berlin oder München – oder ist es gerade der Punkt, der uns Blogger so interessant macht – die Vielseitigkeit, die unterschiedlichen Aspekte und vor allem auch die unterschiedlichen Looks…

Möchte man jetzt auch bei Bloggern bereits Gruppenbilder haben, wie bei einer Modenschau, alle mindestens 175cm groß, Konfektionsgröße 34/36, lange und glatte Haare und alle ein Lächeln auf Kommando? Nein! Zumindest möchte ich dann auch nicht dabei stehen.

Aber es ist interessanterweise ein Problem, welches primär in Deutschland und Österreich auftritt. In anderen Ländern wird die Vielfältigkeit und Offenheit der verschiedenen Blogger gelobt. In Deutschland wird direkt wieder in Schubladen gesteckt und kategorisiert. Wenn dieses nicht der Fall ist, dann wird sich untereinander bekämpft, von Beautyblogger zu Beautyblogger, von Fashionblogger zu Fashionblogger und ganz beliebt zwischen Lifestylebloggern und ehemaligen Journalisten und Reisebloggern. Wehe man überschreitet eine Grenze – warum geht es nicht miteinander?

Hinzu kommt natürlich gerade im Herbst wieder das beliebte Prinzip „Copy + Paste“. Wenn es bei ihr funktioniert, kann ich es auch einfach übernehmen und auf einmal sind wir „gute „Freunde“ und „haben uns alle lieb…“ – vor allem in westlichen Bundesländern scheint das Prinzip sehr beliebt zu sein im Moment… 

Müssen Blogger in Schubladen passen? Welche Nische gibt es? Nur für Likes produzieren…

Ich glaube es gibt kaum eine Person, gerade in den sozialen Medien, die nicht häufig einmal etwas hinterfragt. Ich reflektiere auch sehr häufig die verschiedenen Situationen und analysiere auch unheimlich viel in meinen eigenen Blogposts und YouTube Videos und Instagram-Bildern.

Es wurde so schlimm, dass ich auf meinem Instagram-Account @pureglamtv, der lange Zeit nur noch Reisebilder gezeigt hat, eine klare Vorgabe hatte, wie das Bild aussehen musste. Wurden die Bedingungen erfüllt, gab es 50% mehr Likes, mehr Kommentare und Reaktionen.

Also ist man bei jedem Stadtbesuch oder auch jeder Reise erst einmal auf die Mitte der Straße gegangen, hat im Idealfall frische Farbahnmarkierungen gesucht und dann die Perspektive aufgenommen. Häuserschluchten in gleichen Farben links und rechts, eventuell etwas Spiegelungen und im Idealfall noch ein kleines Loch in der Mitte der Fahrbahn mit einer schönen Reflektion. 30% Bewölkung, etwas Nachbearbeitung und möglichst 90% überbelichtet. Garantiert eine hohe Likezahl…

Gekaufte Follower und Likes bei Facebook - Interaktionen und Engagement erkennen - woher kommen die Follower, woher kommen die LikesDas Ergebnis – viele Kommentare, viele Likes und von Instagram als „Suggested User“ vorgeschlagen. Klar ist es schön, wenn der Account über den Zeitraum hunderte neue Follower pro Tag bekommt, eine Email von Instagram die tollen Fotos lobt, viele zusätzliche Likes, Einladungen zu Ausstellungen, Angebote die Fotos zu verkaufen eintreffen. Die Frage, die sich jedoch irgendwann gestellt hat? Ging es den Menschen und Followern um „pureglamtv“ – „die pureGLAM“ oder „die Vanessa von pureGLAM“ oder einfach nur um jemanden der beliebig ersetzbar ist, so lange er die Bilder in dem gewünschten Stil produziert?

Ich war austauschbar – genauso wie hunderte oder tausende von Bloggern. Ganz unabhängig was ich hochgestellt habe, so lange es den Style „befriedigt“, den man erwartet, war es völlig egal – wer die Bilder gemacht hat und wie viel Arbeit dahinter steckt.

Der einzige Faktor nur – ich persönlich habe die Lust daran verloren, immer in Schubladen und Kategorien gesteckt zu werden, nur um zu passen… unabhängig ob mit einem Reisebild oder einem Fashionlook… Genauso wie oben bei der neuen Mitarbeiterin erwähnt – ich war ersetzbar, weil mein Style zu feminin war und ich eventuell nicht mehr in ihre Meinung von einem Blogger passe – brav sein und auf keinen Fall etwas hinterfragen…

Müssen Blogger in Schubladen passen? Welche Nische gibt es? Zurück zum eigenen „Ich“

Wer die Entwicklungen der letzten Wochen und Monate bei mir mitbekommen hat, wird gesehen haben, ich habe nur noch Dinge gemacht – worauf ICH hundertprozentig Lust hatte. Völlig egal ob es Likes gibt oder mehr „Unfollower“, ob man beschimpft wurde oder Anweisungen bekam, was ich zu tragen hätte.

Darf ich in einem Video lächeln und muss ich mich drei Mal um die eigene Achse drehen, dabei Spass haben und die Sonne sich im Idealfall noch mehrfach in meinen fliegenden Haaren brechen? Bin das ICH – oder ist es Bild was man von Bloggern haben möchte, damit diese „Hip“ sind und als „It-Girl“ bezeichnet werden? Muss ich alles dafür tun, um meinen Fashionlook einmal in der InStyle oder Glamour zu sehen oder verstelle ich mich dann nur noch?

Ich habe ganz bewusst, nachdem ich meinen Hauptaccount @pureglamtv bei Instagram gesagt, dass bin „ICH“ und das ist mein Leben. Wenn die 64.000 Follower irgendwann nur noch 50.000 Follower sind, weil ich den Wunsch nach Perspektivbildern nicht mehr „befriedige“, dann tut es mir leid, aber ich werde mich nicht ändern und freue mich über jede einzelne Person, die meinem Kanal gerade erst jetzt folgt – weil „ICH“ wieder „ICH“ sein darf.

Ich trage das was mir gefällt, welche Stimmung ich gerade habe und auch wenn es auf manchen Fotos einmal arrogant und selbstsicher wirkt  es ist ein Foto (!). Wer mich kennt und auch die VLOGS schaut, wir häufig auch einen ganz anderen Menschen sehen, der viel „Blödsinn“ macht, auch einmal wie das „Southpark-Männchen“ Kenny  an der See mit doppelter Mütze und dickem Mantel spazieren geht und der genauso gerne dann mit den Followern ein Foto macht, wie nach einem Fotoshooting komplett aufgestylt. Ich finde es eher so gar amüsant, wenn man so auch erkannt wird und gefragt wird, ob man ein Foto machen kann – anstelle von top-gestylt vor dem Zelt der Fashionweek… denn dann zählt der Mensch wieder viel mehr…

Und ganz ehrlich – mir war es noch nie so egal, wie viele Abrufe meine Videos bekommen, viele viele tausende Menschen sich meine Snaps ansehen oder meine Instagram-Stories und ob das Bild bei Instagram gefällt oder nicht, weil die Menschen, die mich kennen – mich nehmen wie ich bin und mich in meine Schublade „Vanessa oder pureGLAM“ stecken.

„Meine Marke“ sind die dunklen Haare, die roten Lippen und gerne auch einmal eine enge Lederhose oder eine schöne Strumpfhose und natürlich meine „kleine Auswahl“ an Christian Louboutin High Heels mit der roten Sohle. Es passiert mir häufig, dass man mich von hinten sieht und schon sagt, ich habe dich dort gesehen und anschließend eine Email schickt.

Mein Style ist nicht „langweilig“ und vielleicht gerne auch eine Spur edel provokativ, aber es muss immer zum Anlass passen. Nur um im Gespräch zu sein, ein zu hoher Schlitz im Kleid, zu viel Transparenz oder auch das falsche Material für ein Abendessen oder ein Event werden nicht passieren. Meine „Kategorie“ oder „Schublade“ in die man mich gerne stecken würde ist einfach ist häufig feminin, elegant, ladylike und eine Spur sexy… und genauso könnte ich sehr schlecht glaubhaft einen weiten Sweater oder eine Jogginghose glaubhaft vorstellen.

Bei Bloggern, Instagrammern und YouTubern wird es häufig versucht, die großen Vorbilder wie Caro Daur, Farina von Novalanalove oder Leonie von Ohh Couture zu kopieren – doch dabei vergisst man häufig, man verstellt sich selber um in deren erfolgreiche Schublade zu passen. Es wird nicht klappen – eine Kopie ist niemals so gut wie das Original.

Wenn ihr erfolgreich sein wollt und in eine Schublade passen möchtet, sucht eure eigene Schublade, eure eigene Nische und nur dann kann es klappen. Es gibt sehr wenige Blogs im Fashion, Beauty oder Lifestyle-Segment, die nicht sehr stark an die Person gebunden sind. Viele dieser Blogs funktionieren ausschließlich durch die Personen, die dahinter steht, dem persönlichen Style und der Art wie die Fotos entstehen, die Texte geschrieben werden oder wie man kommentiert.

Wenn man in die „pureGLAM-Schublade“ möchte, hilft es häufig nicht einfach, sich hohe Louboutin High-Heels anzuziehen, eine Lederhose zu wählen und dann zu sagen – ich mache das gleiche wie du und bin im gleichen Sektor. Viele Blogger und YouTuber verstellen sich und es klappt einfach nicht. Es macht unglücklich, weil ein Blog weit mehr ist als ein 40-Stunden-Job. Ein Blog möchte auf gewisse Art 24 Stunden am Tag gepflegt werden, mit eurem Style und wenn ihr euch verstellt, wird es auf Dauer anstrengend.

Ich merke es auch bei mir gerade sehr stark, wenn ich meine neuen VLOGs drehe und ausprobiere – es klappt vieles nicht so wie ich es mir denke, ich probiere unheimlich viel neues Equipment gerade aus und habe am Anfang auch überlegt – möchte ich meine „Besucher“ so dicht an mich heranlassen, in mein Privatleben, sollte ich nicht auch immer meinen Style tragen und folgen mir die Menschen nur aus dem Grund?

Nach kurzer Überlegung war klar, so wie auch oben bei meinen Instagram-Bildern – mir ist es egal… wem es nicht gefällt, wenn ich im Winter mal eine dicke Mütze trage, die Haare vielleicht einfach nur mal zum Pferdeschwanz zusammengebunden habe oder gerade an einem Kochtopf stehe und Nudeln koche, der braucht ja nicht folgen.

Wählt die nächste Schublade, die ein Blogger, Instagrammer oder YouTuber bedient, wenn meine nicht passt und ich nehme es noch nicht einmal persönlich. Ich habe selten in den letzten Wochen und Monaten bei Videos so viel Spass gehabt, so viel Blödsinn gemacht und mich selbst nicht so ernst genommen, weil es nicht immer alles perfekt sein musste. Ich durfte wieder der Mensch sein, der ich bin und spätestens das Video von der Photokina hat mir Recht geben und es hat vor allem wieder Spaß gemacht – (und ja ich benötigte einige Tassen Kaffee an dem Morgen um wieder wach zu werden…)

Wenn man regelmäßig nur Emails und Kommentare bekommt, „mach mal das – zieh mal das an oder tue mal das“ verliert man schnell den Spaß generell an der Sache und heute ist es mir völlig egal, wem meine Nische nicht gefällt, muss nicht bei mir schauen, nicht mir folgen – es gibt unzählige tolle Blogger, Instagrammer und YouTuber, die genau den Style und Wunsch befriedigen…

Allen Bloggern, YouTubern und Instagrammern kann ich nur als Tipp nach über sechs Jahren Blogerfahrung geben – verstellt euch nicht um „berühmt“ zu werden oder einen „erfolgreichen YouTube-Kanal“ oder Blog zu haben. Wenn ihr in eurer „Nische“ und „Schublade“ angekommen seid, euch nicht mehr verstellt, werdet ihr auf Dauer auch genügend Follower finden, die genau danach gesucht haben.

Kooperationspartner, die euch verstellen möchten oder verbiegen möchten, nur damit ihr von der Reichweite in das Produkt passt – braucht ihr nicht – es warten draußen unzählige tolle Firmen, die euch vielleicht gerade suchen, nur noch nicht gefunden haben… und wenn es dieses Mal nicht geklappt hat, klappt es vielleicht beim nächsten Mal… 

Auch wenn pureGLAM.tv häufig perfekt aussieht, glaubt ihr wirklich – jede Aktion hat so geklappt, wie ich es mir vorgestellt habe, jedes Video war bei der ersten Produktion perfekt? Schaut euch mein Shopping-Haul an (online ab 13.10.2016 – 18.00 Uhr unter YouTube.com/vpureglam) und auch dort findet ihr Outtakes oder Versprecher – aber macht es nicht gerade die Personen menschlich?

Ich kann euch für eure „Nische“ und „Schublade“ nur den Tipp geben – verstellt euch nicht und es wird sich genau diese Nische irgendwann öffnen, gerade wenn ihr euren eigenen Style und eigenen Look habt…  Viel Erfolg mit Eurem Blog, eurem Instagram-Kanal oder eurem YouTube-Channel…