Echte Freundschaften und Oberflächlichkeit bei Bloggern – Machtkämpfe

Wir sind doch alle gute Freundinnen und gehen immer zusammen zu den Events. Wie die Bloggerin XY gerade rumläuft geht ja überhaupt nicht. Die Sample-Size Größen passen Ihr sowieso nicht mehr. Wie die mit dem Blog eine Kooperation erhalten hat, kann ich überhaupt nicht verstehen. Oh wie schön, dich wiederzusehen – wir haben uns ja so lange nicht mehr gesehen. Es sind immer wieder die gleichen Sätze, die gleichen Aussagen und bei den meisten Bloggern auch die gleiche Meinung.

Bloggerlife persönlich: Echte Freundschaften und Oberflächlichkeit bei Bloggern

Schaut man sich heute die verschiedenen Streams für ein Gruppenbild gerade bei Instagram an, gibt es 20 Bloggerinnen, die wirken, wie die besten Freundinnen seit Kindheit und sobald das Foto aufgenommen ist, dreht man sich zur Seite und spricht gar nicht mehr miteinander. Je nach Region gibt es bereits Anfragen an Agenturen, ob „die“ denn auch kommt, dann kommen „wir“ nicht.

Ich habe immer gedacht, nach der Schulzeit sind diese Cliquen vorbei – gehört man nicht in den Kreis – ist man automatisch draußen. Es gibt nur dafür oder dagegen. Dabei zählen die persönlichen Werte wieder überhaupt nicht, sondern einfach nur – „was die Masse sagt“. Wenn eine Bloggerin aus der Gruppe eine andere Bloggerin nicht mag, ist sofort die ganze Gruppe dagegen. Man fühlt sich auf einmal wieder an die Grundschule erinnert…

Nur weil man alle das gleiche Hobby hat, bedeutet es ja auch nicht, dass man sich mag. Blogger sind so unterschiedlich und das macht das Bloggen eigentlich auch so interessant – nur dann kann es auf jeder Veranstaltung auch nicht immer miteinander klappen. Wenn man komplett unterschiedliche Themen für den Blog hat, keine Gemeinsamkeiten bei Styling, etc. hat, gibt es auch keine Garantie, dass man sich direkt versteht und mag.

Interessanterweise ist es jedoch so, dass Blogger, die schon seit 2007, 2008 oder 2009 ihren Blog schreiben und dann zufällig auf dem gleichen Event eingeladen sind, sich häufig sofort gut verstehen und einmal einen schönen Nachmittag oder Abend bei einem Event oder einem gemeinsamen Projekt verbringen können. Es wird nicht gegeneinander dann gearbeitet, sondern direkt miteinander.

Wer lange dabei ist, wo der Blog seit Jahren ein Begriff ist, da gibt es auch weniger Neid. Es ist, wie auch schon häufig erwähnt, noch immer massig Platz für jeden Blogger und man nimmt sich nichts weg und kann ich häufig sogar gut ergänzen.

Ich hatte zuletzt erst wieder eine Aktion, wo man sich seit fünf Jahren bereits „online kennt“, aber niemals beim gleichen Event war oder Zeit hatte sich zu unterhalten. Genau die Eindrücke wurden aber bestätigt, man freut sich, dass man sich endlich einmal persönlich unterhalten kann, sich austauschen kann und dabei ist es dann egal, welches Styling hat derjenige, welche Ausrichtung hat der Blog oder wie viele Follower die andere Bloggerin hat.

Man findet schneller Gemeinsamkeiten, hat häufig die gleichen Probleme mit dem Blog oder die gleichen Erfahrungen bei Kooperationen gemacht. Häufig sind es dann genau diese Momente wo einem klar wird, die Dinge regen nicht nur persönlich auf, sondern viele andere etablierten Blogger auch.

Häufig hat man den Eindruck, je kleiner der Blog, je neuer der Blogger dabei, desto größer die Allüren oder „Hinterhältigkeiten“. Ob es daran liegt, dass man früher einen Blog als Hobby gestartet hat und sich über die ersten kleinen Kooperationen wahnsinnig gefreut hat? Heute wird ein neuer Blog gestartet und direkt der wichtigste Punkt für den Blog ist die Monetarisierung. Wie verdiene ich mit meinem neuen Blog viel Geld oder wie bekomme ich eine Reise gesponsort? Themen die langjährige Blogger überhaupt nicht an erster Stelle sehen und wo man sich häufig sogar freut, wenn eine erfahrene Bloggerin für ihre Arbeit gelobt wird und eine tolle Kooperation bekommt.

Wenn man natürlich als „neuer“ Blogger sofort nur auf Kooperation aus ist, nur den Blog gegründet hat, um damit „reich“ zu werden, ist natürlich jeder andere Blogger auf der Veranstaltung Konkurrenz. Man versucht sich, kurz mit größeren Bloggern gemeinsam auf Selfies abzulichten, um den eigenen Wert zu steigern und dann vielleicht direkt zu fragen, „Wer ist denn der Ansprechpartner für Marke XY“. Man hat häufig noch gar kein direktes Wort gesprochen, kennt sich praktisch überhaupt nicht, aber dann fragt man direkt nach der Liste aller Kontakte, die sich langjährige Blogger mit viel Ausdauer und harter Arbeit aufgebaut haben.

Nichts gegen ein Miteinander – und wer mich kennt – der weiß, dass ich mich sehr dafür einsetze, nicht gegeneinander zu arbeiten, sondern die gemeinsamen Netze und Netzwerke zu nutzen und sich zu stärken. Doch scheinbar geht es immer nur noch darum, eigene Gewinne zu erzielen.

Bloggerlife persönlich: Falsche Freunde – Echte Freunde

Ich habe vor einigen Tagen schon bekannt gegeben, dass ich mich aus den traditionellen Blogger-Workshops, die ich in den letzten 12 Monaten neun Mal durchgeführt habe, im Laufe des Jahres auch zurückziehen werde und einer der Gründe dafür ist sicherlich manchmal der Umgang miteinander.

Ein Workshop von zwei Tagen kostet mich auch in der Regel mindestens eine Woche Zeit, mit Vorbereitungszeit, Workshop, Nachbearbeitung, etc. und dabei bleibt mein eigener Blog natürlich auf der Strecke. Der Gegenwert für mich – im Maximalfall ein „Dankeschön“.

Es gibt Kontakte, die in den Workshops und Blogger-Reisen entstanden sind, worauf man sich wirklich wieder freut. Dabei wäre es aber unabhängig von einem Blogger-Event. Man würde sich in der Stadt bei einem Besuch auch gemütlich auf einen Kaffee treffen, abends einmal zum Abendessen raus gehen und überlegen, was man gemeinsam machen kann.

Andere Kontakte sind dann eher das Gegenteil, Absprachen werden nicht eingehalten, die Workshop Gebühren werden nicht bezahlt, trotz mehrfacher Aufforderungen und als „Dank“ gibt es noch nicht einmal eine Antwort und man wird auf „Blockieren“ gesetzt.

Der interessante Punkt dabei ist einfach, je jünger die Blogger und je kleiner der Blog, desto größer die „Allüren“. Wo es bei Bloggern aus der Generation Ü30/Ü40 eher ein freundliches Miteinander ist, ist bei jüngeren Bloggern die Zahl der „Falschen Freunde“ relativ hoch.

Bloggerlife persönlich: Oberflächlichkeit und falsche Freunde

Wer glaubt, wenn er einen Blog startet, findet neue viele echte und ehrliche Freunde, den muss ich leider enttäuschen. Dabei ist es unabhängig ob Modeblog, Reiseblog, Technikblog oder Autoblog – die Kontakte sind häufig nur oberflächlich und im Fashionbereich natürlich noch eine Spur distanzierter.

Es soll nicht heißen, es sind überhaupt keine echten und ehrlichen und langfristigen Freundschaften entstanden und halten weiter – aber als Blogger ist man größtenteils auch immer „Einzelkämpfer“ und arbeitet für seinen Blog. Je kleiner der Blogger und je limitierter die Kooperationsmöglichkeiten, desto mehr „Hauen-und-Stechen“ ist häufig vorhanden.

Fast schon amüsant ist es, wenn man Blogger zu einer Veranstaltung nach Berlin einlädt, jeden Blogger und Influencer persönlich begrüßt und manche wirklich ohne eine Begrüßung oder Verabschiedung an einem vorbeigehen… welchen Eindruck soll man bekommen? Wie verhält man sich, wenn man anschließend eine Reise an die See bei Bloggern ankündigt und sich genau diese Blogger dann wieder bewerben? Soll man dem Kunden sagen, diese Blogger sind freundlich und höflich und teamfähig?

Ich habe vor einigen Tagen schon bekannt gegeben, dass ich mich aus den traditionellen Blogger-Workshops, die ich in den letzten 12 Monaten neun Mal durchgeführt habe, im Laufe des Jahres auch zurückziehen werde und einer der Gründe dafür ist sicherlich manchmal der Umgang miteinander gewesen…

Es wird sicherlich einige gute Freundschaften geben, aber mit der Zeit macht man seine eigenen Erfahrungen und merkt auch schnell, die Schulzeiten leben weiter, es gibt wenig „echte Freunde“ und man sollte als Blogger manchmal auch ein wenig vorsichtig sein, wem man was sagt und wem man Hilfe anbietet. Häufig wird man eben einfach nur ausgenutzt. Die Dankbarkeit und das Benehmen bleibt langsam auf der Strecke… also spart euch die Energie und denkt primär an euch und euren Blog… und über die wenigen „echten“ Freundschaften und Kontakte die entstanden sind, freut man sich umso mehr…

12 KOMMENTARE

  1. Liebe Vanessa,

    dem habe ich nichts hinzuzufügen und unterschreibe ich Dir so. Ich bin ja nun auch keine 20 mehr, blogge seit knapp 7 Jahren. (allerdings gesundheitsbedingt gerade Zwangspause) Ändert sich bald hoffentlich Solange tobe ich mich auf Instagram aus… ganz ohne geht einfach nicht Ich habe zu einigen Menschen durchs Bloggen sehr herzlichen und freundschaftlichen Kontakt, das auch zum Teil seit Jahren und da haben wir untereinander diesen Konkurrenzkampf nicht, im Gegenteil. Da ist Ausstausch, privater Kontakt, man gibt sich Tipps und es wird auch über Anderes geredet als übers Bloggen wie auch mal Sorgen im privaten Bereich und es ist Vertrauen da und Ehrlichkeit. Das wird leider immer seltener und oberflächiger. Gerade im Moment wo mein Fokus auf anderen Dingen liegt und ich mich diesbezüglich zurücklehnen kann oder besser gesagt muss und es nur als Zuschauer beobachte, fällt mir das immer mehr auf. Sehr schade wie sich die Bloggerszene da entwickelt und da bin ich nicht alleine mit meiner Meinung. Dabei kann netzwerken so viel Freude und Weiterentwicklung bringen.

    Ich weiß auch nicht ob es teilweise an der Erziehung liegt, aber ich habe mich schon manchmal fremd geschämt und fassungslos zugeschaut wie manche Blogger ohne ein paar Worte Feedback oder ein Danke davon rauschen und beim Hinaussgehen noch Fragen ob die Deko noch benötigt wird- so im Stil … wär ja schade um die schönen Blumen oder die restlichen Macarons und nicht zurückhaltend zugreifen…. und dann aber was von Kooperationen auf Augenhöhe faseln, sorry. Ich hätte zu gerne mal an einem Deiner Bloggerkooperationen teilgenommen, aber es passte terminlich bisher nie, weshalb ich mich dann auch nicht drauf beworben habe. Kann Deine Entscheidung somit voll nachvollziehen, dennoch sind sicherlich auch ganz wunderbare Kontakte dadurch entstanden oder intensiviert worden.

    Liebe Grüße
    Claudia

    • Liebe Claudia,

      es stimmt wirklich – es entstehen ein paar wenige Freundschaften, die auch die Zeit abseits vom Blog gemeinsam nutzen können und wo man sich erfolgreich austauscht. Ich freue mich immer wieder, wenn dieses bei meinem jährlichen Blogger-Event im Lösch für Freunde stattfindet und konnte es auch dieses Jahr wieder realisieren.

      Leider ist es im deutschen Bereich aber leider meistens das Gegenteil, anstelle sich gegenseitig zu stärken, wird abgeschaut, kopiert und teilweise 100% dreist übernommen. Die Beschreibungen zu Dekos, Blumen und was man bei einem Event alles noch einpacken kann, ist mir leider auch schon aufgefallen. Ich versuche mich aus vielen Dingen einfach rauszuhalten und es „gar nicht mehr mitzubekommen“.

      Ich werde vermutlich in diesem Jahr noch einmal zwei bis drei Blogger-Workshops anbieten, dann aber auch schauen, dass das „Miteinander“ im Vordergrund steht und jeder Blogger wieder etwas auch von den anderen Bloggern lernen kann.

      Dir eine schöne Woche

      Viele Grüße

      Vanessa

  2. Liebe Vanessa, ich kann Dir da nur zustimmen. Ich selbst bin zwar erst seit 4 Jahren als Bloggerin unterwegs, und mindestens die Hälfte der Zeit hat es gedauert bis überhaupt Kooperationen entstanden sind. Darauf habe ich es von Anfang an gar nicht darauf abgesehen, war aber natürlich stolz, dass mein Blog auch von Firmen wahrgenommen wird.
    Schon auf meinem ersten Bloggerevent habe ich die Erfahrung gemacht, von der Du auch schreibst „Ich verstehe gar nicht, warum DIE Kooperationen bekommt…“ Und im Prinzip zieht sich das so fort…
    Andererseits habe ich mit anderen Bloggern auch wunderbare Freundschaften schließen können. Wie so oft wie Leben gibt es eben solche und solche… Das wird wohl (leider) immer so bleiben.

    • Vielen lieben Dank für das Feedback und ich stimme dir zu… – und ich vermute die Erfahrung wird sich auch die nächsten Jahre nicht ändern… Mit der Zeit lernt man aber daraus und fokussiert sich auf die wesentlichen Kontakte und Erfahrungen und die paar wenigen Blogger, die zu guten Bekannten und teilweise Freunden geworden sind.

      Viele Grüße V.

  3. Liebe Vanessa, dieses Mal stimme ich dir voll zu. Das Leben ist halt nicht gerecht. Des öfteren habe ich auch schon Hinterhätigkeiten erfahren. Ich glaube es liegt nicht daran wie Alt ein Blog ist, sondern der Mensch der dahinter steckt. Es ist doch normal, dass man gerne jemanden nach seinen Erfahrungen fragt. Vielleicht ist es gerade einem Neuling gar nicht bewusst, wie viel Arbeit es ist um wirklich erfolgreich zu werden. Für alles braucht es ein Vorbild woran man sich orientieren kann. Kopieren sollte dabei allerdings ausgeschlossen sein. Allerdings habe ich auch ganz oft festgestellt und mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine da, dass Bloggerinnen die schon länger Aktiv sind, gar nicht auf Kommentare antworten. Von einem Gegenbesuch brauchen wir erst recht nicht zu sprechen.
    Liebe Grüße
    Petra

    • Liebe Petra,

      der Begriff „Hinterhältigkeit“ trifft es glaube ich sehr gut und es spricht auch nichts gegen „Fragen“. Man hat allerdings das Gefühl das „Feingefühl“ ist etwas auf der Strecke geblieben und der Sinn des „Bloggens“ verwandelt sich in eine „Ich-Gesellschaft“, die leider bei einigen neuen Bloggern sehr vertreten ist. Wenn man die Frage nicht in einer Stunde sofort per Email beantwortet hat, gibt es bereits einen Reminder…

      Es wird häufig so häufig „Freundschaft“ gezeigt, bis man alle Informationen hat und danach ignoriert… – aber wie heißt es… „man sieht sich zwei Mal im Leben“…

      Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Spass und viel Kraft

      Viele Grüße V.

      P.S.: Ich versuche mir in der Regel immer Zeit für die Kommentare zu nehmen und schalte diese von Hand frei, damit ich auch entsprechend direkt darauf antworten kann. Wenn es jedoch sehr stressig ist und man den Blog nicht als Hobby mehr betreibt, kann aber auch einmal nur erst freigeschaltet werden, aber gelesen wird es trotzdem ;-)

  4. Manchmal finde ich es wirklich ein bisschen gruselig, dass du so oft Beiträge veröffentlichst, die ich auch gerade schreibe. Mein Beitrag zum Thema „Bloggerfreundschaften“ sollte eigentlich gestern online gehen, wollte ihn dann aber doch lieber noch einmal überarbeiten und habe einen anderen vorgezogen. Mein Beitrag scheint mir allerdings deutlich positiver zu sein, denn ich habe einige „echte“ Freunde unter Bloggern gefunden, Menschen auf die ich mich freue, die ich vermisse, wenn ich sie länger nicht sehe ;).
    Aber klar, ich gebe dir absolut Recht, diese würde ich auch vollkommen unabhängig vom Bloggen auf einen Kaffee oder was auch immer treffen (wollen). In der ostwestfälischen Provinz ist das allerdings eher schwierig, sodass es dann doch irgendwie immer was mit Bloggen zu tun hat, wenn man sich trifft.
    Viele liebe Grüße an dich!!

    • Haha :-)

      Lustigerweise ist der Blogpost online gegangen und war durch die Umstellung eigentlich sogar erst für nächste Woche geplant. Es sollten eigentlich von Samstag bis Mittwoch gar keine Blogposts online gehen, dann hätte es noch besser gepasst. Ich stimme dir aber in vielen Dingen komplett zu – natürlich gibt es auch nette Kontakte und man freut sich aufeinander, vielleicht ist es aber auch abhängig von der Region. Im Rheinland oder OWL geht es sicherlich noch einfacher, in manchen Metropolen zählt nur noch die Handtasche, ob man dabei ist oder nicht…

      Mit dir würde ich mich auch so auf einen Kaffee treffen, unabhängig ob du Bloggerin bist oder nicht… aber das Thema „Bloggen“ kommt dann sowieso immer auf…

      Wünsche dir eine schöne Restwoche

      Viele Grüße V.

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