Authentizität und Markentreue – ein Fremdwort für Blogger und Influencer?

Authentizität und Markentreue sind für Blogger eigentlich ein wichtiger Bestandteil für den eigenen Blog, den eigenen Instagram-Kanal und natürlich auch die eigenen Follower. Natürlich möchte ich als Leser ehrliche Einschätzungen bekommen, aber wenn die nächste Kooperation immer wieder mit neuen Superlativen überboten wird, verliert man dauerhaft die Glaubwürdigkeit. Die Authentizität und Markentreue der Blogger aus den Jahren 2013 und 2014 wird scheinbar ein Fremdwort.

Bloggerlife persönlich: Authentizität und Markentreue – Reise-Kooperationen

Als ich meinen Reiseblog und Lifestyleblog gegründet habe und von den ersten Hotels eingeladen wurde, war es für mich selbstverständlich, nicht über einen Mitbewerber am gleichen Ort zwei oder vier Wochen später zu schreiben.

Als ich 2014 in Genf war, eine wunderschöne Suite erhalten habe und über mehrere Tage den Luxus in der wunderschönen Stadt am Rande der Berge erleben durfte, erzählte mir eine Marketing-Mitarbeiterin des Hotels, dass ich die erste Bloggerin nach einem Jahr wäre, die man wieder eingeladen hätte, da ich von mir aus bereits aktiv zugesagt hätte, für mindestens sechs Monate über kein anderes Hotel im 5-Sterne-Segment zu schreiben.

Was für mich selbstverständlich war, musste das Hotel einige Monate vorher anders erleben. Eine bekannte Modebloggerin war dort, hat auch sehr aktiv Instagram genutzt und erzählt, wie schön das Hotel wäre und das sie immer wieder zurück in dieses Haus kommen würde, um zwei Wochen später in einem anderen 5-Sterne Haus in Genf genau die gleichen Texte zu erzählen, natürlich mit dem Hinweis „Das beste Hotel, indem ich jemals in Genf übernachtet habe“. Somit waren alle guten Bewertungen davor natürlich nichtig, man überlegt es sich, ob man noch einmal Blogger einlädt.

Wenn Blogger sich natürlich nicht an Markentreue oder Authentizität halten, fällt es nicht nur auf die eine Bloggerin ab, sondern auf die gesamte Blogger-Welt. Ein aktuelles Beispiel zeigt auch wieder zwei Blogger während der Fashionweek, die selbst zwei Hotels im Abstand von 200 Metern gewählt haben und in den Blogposts noch den Vorgänger verlinkt haben… „Nach meinem Aufenthalt im XY Hotel, berichte ich euch jetzt aus dem ABC-Hotel“.

Hotelhopping bekommt durch Blogger eine ganz neue Beachtung – wenn jedes Hotel mir durch meine Reichweite nur eine „Frei-Nacht“ anbietet, dann brauche ich halt drei Hotels und stelle diese unter dem Blogpost „Meine drei Hotels in Berlin“ vor. Die Wirkung für die Hotels natürlich nahezu gleich null, die Glaubwürdigkeit auch sehr gering.

Bloggerlife persönlich: Authentizität und Markentreue – Kosten und Nutzen

In den letzten Monaten haben sich in verschiedensten Blogger-Gruppen viele Blogger darüber beschwert, dass es immer schwieriger wird, Kooperationen zu bekommen, sowohl für Reisen, wie auch Fashion oder andere Projekte – doch häufig liegt die Antwort bereits auf dem eigenen Blog.

Auch ich habe es bei Bloggern beobachtet, die von Radisson Blu eingeladen wurden und entsprechend „verwöhnt“ wurden, dass diese noch nicht einmal vier Wochen später über den direkten Mitbewerber in der gleichen Stadt geschrieben haben. Wie soll man dann dem „Kunden“ glaubhaft in Zukunft zusichern können, dass diese Blogger einen Mehrwert für das Haus bieten? Nach der Einladung entsteht ein Blogpost über vier Tage Luxusleben und das war es dann. Der Wert des Blogpost von ca. 400 EUR steht Kosten durch den Blogger von 2.000 EUR entgegen. Da sagen viele Hotels, das lohnt sich nicht mit dieser Bloggerin.

Wenn Blogger heute zu Reisen eingeladen oder auch vorgeschlagen werden, möchten immer mehr Unternehmen die folgenden Daten haben:

  • Mediakit und Reichweite
  • Follower und Engagement (wie viele Likes pro Follower, etc.)
  • Bisherige Kooperationen im Reisesegment

Natürlich wird dann genau geschaut, über welche Hotels wurde am Ort geschrieben, wie viel hat das Hotel von einer Einladung für den Blogger und wie sicher kann das Hotel oder die Destination bei der Bloggerin sein, dass nicht innerhalb von vierzehn Tagen über den größten Mitbewerber geschrieben wird.

Was für große Blogger und Influencer eine Selbstverständlichkeit ist, ist bei jüngeren Bloggern häufig noch eine Verwunderung. Unternehmen fassen die Kooperationen in mehrseitigen Verträgen zusammen, wo neben den besprochenen Blogposts auch die Anzahl der Social-Media-Aktivitäten genauso enthalten ist, wie auch eine Sperrfrist für andere Mitbewerber am Ort.

Bloggerlife persönlich: Authentizität und Markentreue – Wie sollte man sich als Blogger verhalten?

Darf man als Blogger nun gar nicht mehr über andere Hotels und Unternehmen schreiben? Nein absolut nicht – aber man sollte etwas vorsichtig sein, in welchem Zeitraum man schreibt und welche Pausen dazwischen sind. Es spricht sicherlich nichts dagegen, wenn man ein Hotel auf Mallorca vorstellt und im nächsten Sommer wieder ein besonderes Hotel. Ist man in den Sommerferien jedoch auf Mallorca und stellt in fünf Tagen fünf Hotels alle am gleichen Ort von unterschiedlichen Mitbewerbern vor – wirkt es unglaubhaft.

Ich habe selbst die Situation gehabt und bei meinem Mallorca Aufenthalt in 15 Tagen drei Hotels erlebt und alle auf dem Blog vorgestellt, jedoch wurden die folgenden Rahmenbedingungen erfüllt:

  • Alle Hotels gehörten zum gleichen Konzern / der gleichen Hotelgruppe und wussten voneinander (bzw. haben die Kooperation gemeinsam angefragt)
  • Die Blogposts sind nicht zeitgleich online gegangen, sondern es wurde vorher abgesprochen, welche Hotels wann online gehen und wie viel Zeit dazwischen liegen soll
  • Es waren drei unterschiedliche Hotelausrichtungen – von absolutem Luxushotel mit Butler, über romantische Hochzeitslocation bis hin zu einem Golf- und Sporthotel

Man kann nach wie vor verschiedene Hotels miteinander kombinieren, gerade wenn die Anreisekosten auch sehr hoch sind, jedoch sollte man Transparenz bei den Partnern zeigen und sofort erklären, wofür man da ist. Somit kann das Hotel vorher entscheiden, ob es eine entsprechende Kooperation möchte oder ob es z.B. eine individuelle Anreise und einen exklusiven Aufenthalt übernehmen möchte.

Bloggerlife persönlich: Authentizität und Markentreue – FAZIT

Als Blogger sollte man natürlich unabhängig von den Kooperationen berichten und die Partner entsprechend vorstellen. Man sollte sich jedoch auch immer in die Seite des Partners versetzen, dem auch sehr viele Kosten entstehen und wo man sich natürlich von der Kooperation auch einen Mehrwert gegenüber den Mitbewerbern erhofft. Es nützt natürlich nichts, wenn der Blogger dann nicht authentisch ist und das Hotel oder die Kooperation nur als „günstige Unterkunft“ wählt.

Als ich meine Berichte über das ADLON Hotel in Berlin online gestellt habe, gab es innerhalb von vier Wochen von unzähligen Luxushotels in Berlin die Anfrage, ob ich nicht auch über deren Haus berichten möchte. Diese Anfragen wurden alle abgelehnt, weil es nicht authentisch wäre und gleichzeitig unfair dem Partner wäre. Wenn ich doch als Besucher so zufrieden im Hotel war, warum suche ich mir dann ein anderes Hotel?

Das Problem ist – wie oben bereits beschrieben, dass fehlende Authentizität und Markentreue nicht nur auf den einzelnen Blogger zurückfällt, sondern auf die gesamte Blogger-Welt.

Überlegt euch daher immer genau, ob die Kooperation zum Blog passt, ob es für eure Leser glaubhaft ist, wenn ihr den nächsten Mitbewerber am Ort sofort auch vorstellt oder wenn ihr noch direkter – im Blogpost über das zweite Hotel, den Mitbewerber direkt verlinkt und erwähnt. Es wird einfach für Agenturen und PR-Unternehmen immer schwieriger, kleinere und mittlere Blogger zu vermitteln, wenn diese zwischen den Hotels und Reisezielen wechseln und sich wenige Tage später nicht mehr an eine andere Kooperation erinnern.

Gleichzeitig vergessen viele Blogger immer wieder, dass der Tourismusbereich sehr klein ist und auch wenn man nicht für die gleiche Hotelkette arbeitet, sich viele Mitarbeiter kennen und auch austauschen (gerade im Bezug auf Blogger-Kooperationen). Wenn man als Bloggerin dann gleichzeitig verschiedene Hotels anfragt und von einigen eine Absage bekommt, andere dann selbst absagen muss, weil man schon ein anderes Hotel bestätigt bekommen hat, merken es sich auch die Unternehmen und geben es an die Mutterkonzerne weiter.

Als Blogger bedeutet es auch nicht – ich bin Blogger – ich darf kostenlos reisen – es sollte immer auch der Gegenwert für das Unternehmen gegenüberstehen und für beide Seiten einen Mehrwert bieten. Wenn ihr verschiedenste Marken gleichzeitig anfragt, merkt man sehr schnell – es geht euch nicht um den speziellen Partner, sondern einfach nur um einen gewissen Vorteil für euren Blog und das fällt wieder auf alle Blogger zurück. Bleibt daher lieber authentisch, lasst euren Blog nicht zu einer Werbeplattform verkommen und springt nicht zwischen Marken und Hotelketten.

Es werden immer seltener unterschiedlichste Blogger zu Kooperationen und Reisen eingeladen, sondern Unternehmen suchen sich ihre eigenen – dauerhaften – Influencer. Dort kann man kalkulieren, wie der Output sein wird, kennt die Wünsche des Bloggers und kann – gemeinsam – etwas gutes erreichen. Verbaut euch diese Chance nicht!