Blogger sind naiv und dumm – Wahrheit über Blogger-Kooperationen

Nach meinem ersten Blogpost vor einigen Monaten zu einer fairen Bezahlung von Bloggern wird es doch einmal wieder Zeit für eine Fortsetzung. Scheinbar geht man immer wieder davon aus, Blogger sind dumm und naiv und lassen sich von tollen Fakten blenden. Meinen manche Unternehmen wirklich, Blogger merken es nicht, wenn die Follower bei einem Start-up gekauft sind, wenn kein Budget für eine Blogger-Kooperation vorhanden ist, aber gleichzeitig große Fernsehwerbung gekauft wird oder wenn man drei Instagram-Postings erwartet für einen 40 EUR Kosmetikgutschein.

Blogger-Kooperationen – der Weg zu professionellen Kooperationen mit Respekt

Zunächst einmal muss vorweg gesagt werden, dass sich bei vielen Unternehmen der Umgang mit Bloggern gravierend verändert hat seit 2014. Die Kooperationen werden genauer besprochen, es wird langfristig geplant und macht auch einfach unheimlich viel Spass – gemeinsam voran zu gehen und etwas zu erleben. Blicke ich auf meine aktuellen Premium-Partner SAMSUNG, ASUS, Canon, Kempinski und Carlson Rezidor zurück, so ist es immer eine Begegnung auf Augenhöhe und motiviert für langfristige gegenseitige Erfolge.

Was in den letzten Wochen allerdings wieder einmal in meinen Email-Postfächern angekommen ist, war doch schon unglaublich und daher muss einfach einmal gefragt werden – glauben viele Unternehmen einfach – „Blogger sind naiv und dumm“.

Blogger-Kooperationen – Drei Bilder auf Instagram posten – 40 EUR Drogerie-Warengutschein

Eine ganz „interessante“ Anfrage einer Drogeriekette aus Berlin traf in der letzten Woche von einem „Head of Marketing“ ein. Man hat sich natürlich genau mit meinem Instagram-Kanal beschäftigt und kann mir einen Warengutschein über 40 EUR für xxx Drogerie anbieten. Ein Link zur Drogerie wäre hilfreich gewesen. Die Bedingungen für den 40 EUR Warengutschein, dazu natürlich ganz bescheiden :-) :

  • Mindestens drei Bilder auf Instagram, die mit @xxx und #xxx verlinkt sein müssen
  • Die Placements müssen so inszeniert werden, dass das Produkt im Vordergrund steht und das Logo der Drogeriekette sehr gut erkennbar ist

Wenn ich mich an alle Bedingungen halte und die Bilder und alle Links zusammengestellt und hingeschickt habe, bekomme ich mit Glück vielleicht für den nächsten Monat wieder einen neuen Gutschein und darf erneut drei Bilder in meinen Instagram-Stream platzieren. Schaut man sich die Verpackungen in Plastiktüten der „Kokoschips, Flosamenschalen, Maulbeeren und Cranberries“ an, so kann man diese Tüten nur plakativ in die Kamera stellen und die Wertigkeit des ganzen Instagramstreams reduzieren und zerstören. Was man sich über Jahre aufgebaut hat, zerstört man sich für 40 EUR mit Kokoschips.

Selbst wenn ihr einen „kleinen“ Instagram-Stream habt, unter 1.000 echte, aktive Follower, so sind Preise von mindestens 50 EUR pro Bild auch in Deutschland eine Mindestbezahlung für Blogger und Instagrammer. Mit gerade einmal 13 EUR pro Bild liegen wir deutlich unter dem Betrag und der Hinweis „wenn alle Bedingungen erfüllt sind“ und man den eigenen Stream mit billiger Werbung plakatiert hat, darf man evtl. noch einmal bestellen. Das ein Hinweis an dem Bild mit „Sponsored / Werbung“ etc. angebracht werden soll, wird natürlich nicht mitgeteilt (und führt im nächsten Monat dann wohl zum Ausschluss…) #JustThinking.

Blogger-Kooperationen – Matratzen-Startup – aber Fernsehwerbung schalten

Nicht weniger interessant ist die Anfrage eines Matratzenunternehmens, die Bloggern eine kostenlose Matratze zur Verfügung stellen und ausdrücklich vor der Kooperation auf die eigenen großen Instagram und Facebook-Kanäle hinweisen.

Was natürlich sofort auffällt, bei nun 22.000 Facebook-Followern gibt es für interessante Postings zwischen 6 und 20 Likes. Schaut man sich etwas genauer dann die Follower an, so konnte man XXXX-Matratzen nur eine nette Email schreiben und für den Erfolg in den Regionen die Glückwünsche aussprechen. Schließlich wurde man als Blogger ausdrücklich aufgefordert, sich die sozialen Kanäle der Unternehmen einmal anzusehen. Das Ergebnis dieses Matratzenherstellers, der momentan auch sehr aktiv Werbung schaltet, aber für Blogger scheinbar kein Geld hat und davon ausgeht, dass man Miete, Krankenversicherung und weitere laufende Kosten auch einfach mit einer Matratze bezahlen kann, gibt natürlich interessante Erkenntnisse:

Von 20.000 Follower kamen zum Zeitpunkt der Email 6000 Follower aus Ägypten, über 2700 aus Algerien, über 2100 aus Tunesien, 1800 aus Marokko, selbst 1600 aus dem Irak, über 1100 aus Syrien, 700 aus Jordanien, Libyen 600 Follower, Palästina 300 Follower und selbst im Sudan noch über 200 Fans…

Wenn man sich täglich damit beschäftigt, konnte man natürlich nur gratulieren und die Antwort vom Unternehmen natürlich entsprechend. Man fühlte sich wohl ein wenig ertappt.

Man sollte als Unternehmen doch nicht glauben, alle Blogger sind dumm und fallen auf solche gefakten Zahlen rein. Die Instagram-Zahlen für ein neues Unternehmen mit Lifestyle- und Interior-Bildern natürlich entsprechend. 10.000 Follower und zu dem Zeitpunkt der Email 40 Likes… – nun ist der Account (siehe Grafik) angewachsen auf 14.000 und fällt gerade wieder gravierend. Scheinbar mag doch nicht jeder Mensch Matratzen?

Instagram-Follower - Matratzenhersteller - Echte Follower für Blogger

Das Risiko, welches für Blogger bei solchen Kooperationen natürlich dann auch sofort entsteht: wie sind die Links gekennzeichnet? Selbst wenn die eigenen Links mit No-Follow gekennzeichnet sind, kann man absolut nicht mehr sicher sein, dass an anderer Stelle nicht bewusst mit Do-Follow gekennzeichnete Links eingekauft wurden. Google straft anschließend (wie einige Beispiele in 2014, 2015 zeigen) alle Blogs ab, die das Produkt auf der Seite platziert haben.

Blogger-Kooperationen – Die ultimative „Gesundheitsnahrung“.

Probiere doch einmal unsere neuen Nüsse, unsere neuen Chia-Samen und andere Produkte und schreibe ein ausführlichen Bericht auf deinem Blog darüber. Natürlich! Ich habe auch sonst nichts zu tun und meine Meinung zu den beliebten Chia-Samen dürfte längst bekannt sein – ich suche noch immer die besondere Wirkung und den besonderen Geschmack. Zu Maulbeeren habe ich auch schon einmal geschrieben und auch dort war meine Meinung nicht anders.

Natürlich gibt es dafür kein Geld für Blogger, da man Lebensmittel ja sowieso benötigt und man den Blog nur als Hobby betreibt. „Für Blogger-Kooperationen“ haben wir natürlich kein Geld und wir sind ja noch ganz frisch auf dem Markt. Wenn es mit einer Kooperation mit dir gut klappt, können wir in Zukunft vielleicht einmal etwas bezahlen“.

Ist natürlich klar – aufwendiges Verpackungsdesign, unzählige Produktsendungen, großer Onlineshop – aber Blogger sind nichts wert. Die Bestätigung folgt dann einige Tage später, mit ausführlichen Werbespots zu den besten Sendezeiten (unter anderem bei Deutschland sucht den Superstar, Heidi Klums – Germanys Next Topmodel, etc.). Hält man Blogger teilweise für so naiv und dumm? Der Produkttest sollte schon 400 – 500 Worte für eine Tüte Nüsse und ein paar getrocknete Beeren haben und einen Link direkt zu den Produkten enthalten und natürlich mindestens ein Link auf die Hauptseite vom Onlineshop.

Natürlich müssen diese Links nicht mit „no-follow“ und „Werbung“ gekennzeichnet werden, da man ja „freiwillig“ die Produkte testet und darüber schreibt und es ein Service für die eigenen Leser ist.

Blogger-Kooperationen – Papeterie – Postkarten und ein Block für zwei Instagram-Posts

Nach der Erfahrung mit der Drogerie habe ich eigentlich gedacht, es könnte nicht schlimmer werden, drei Postings bei Instagram mit Label für 40 EUR waren im Nachhinein doch ein gutes Angebot, denn in den letzten Tagen gab es noch eine Anfrage einer Papeterie für zwei Instagram-Posts mit Nennung der Marke und des Hashtags. Als Gegenzug sollte man dafür ein „Überraschungspaket“ erhalten. Ob man weiß, wie ich Überraschungen bei Kooperationen liebe?

Schaut man sich den Onlineshop einmal genauer an, so merkt man ganz klar, hier wird es schwer, die 40 EUR für einen Artikel zu bekommen oder eine faire Bezahlung für Blogger und Social Media Influencer. Postkarten für 2 EUR, ein Block für 8 EUR – da müsste es ja bereits ein riesiges XXL-Überraschungspaket werden.

Wird es im Jahr 2016 wirklich ein Trend und man versucht Instagram-Postings mit URL und @-Tag mit einem kleinen Überraschungspaket zu bezahlen. Wenn man sich dieses genauer überlegt, werden einige Blogger scheinbar in Zukunft die Miete etc. nur noch in Naturalien bezahlen können.

Blogger-Kooperationen – FAZIT – Blogger sind dumm und naiv

Zumindest scheint es ein neuer Trend wieder zu werden und man hat sich „natürlich“ immer ganz genau mit dem Blog und den Wertigkeiten beschäftigt. Man prüft nur nicht, welchen Wert ein Instagram-Posting bei dem entsprechenden Account hat. Es gibt unzählige Tools im Internet, die den Wert eines einzelnen Instagram-Bildes bestimmen.

Schaut man heute in die Instagram-Welt, so bekommen Kendall Jenner oder Gigi Hadid für ein einzelnes „Werbefoto“ bei Instagram, wo für ein Outfit, ein neues Schmuckstück oder eine Sonnencreme geworben wird, zwischen 125.000 und 300.000 US$. Der Wert eines aktiven und alten Instagram-Kanals mit einer guten Like/Follower-Ratio ohne gekaufte Follower liegt bei 50.000 Followern häufig zwischen 300 und 400 US$ (pro Bild!). Ein kleiner Fashionblogger-Instagram-Account mit 10.000 echten Followern und einer Interaktivität mit den eigenen Followern bekommt häufig bereits über 100 US$.

Stellt man diese Werte dann einmal gegen die Angebote einer Drogerie, einer Papeterie oder eines Trockenobst-Anbieters, so sieht man sehr schnell, für wie dumm und naiv man als Unternehmen Blogger und Instagrammer einschätzt.

Nimmt man den XXXX-Matratzenanbieter, der einerseits mit seinen eigenen gekauften Followern wirbt und Blogger aktiv auffordert, sich die Kanäle doch einmal genau anzusehen und im Gegenzug dann eine Matratze anbietet, für einen Blogpost, so stimmt auch hier die Wertigkeit nicht.

Ich habe bereits vor einigen Monaten schon einmal ironisch geschrieben „Blogger müssen nicht bezahlt werden“ und dort auch eine Tabelle veröffentlicht, wo Blogger nachsehen können, was man ungefähr für einen Blogpost nehmen kann oder verrechnen sollte.

Wichtig finde ich vor allem immer, dass man sich auf Augenhöhe begegnet und der Blogger und Instagrammer auch fair vom Gegenüber und dem Unternehmen betrachtet wird. Es geht hier sicherlich nicht um die letzten 10 US$ – aber es geht um den generellen Umgang miteinander.

Ich werde auch in Zukunft wieder einige Kooperationen vorstellen, die einfach Bloggern gegenüber nur unverschämt sind. Gleichzeitig wird darüber auch immer sehr erfolgreich in der Blogger-Gruppe bei Facebook diskutiert.

Wie auch immer ihr euch entscheidet, achtet darauf, dass euer Blog nicht zu einer Werbeplattform verkommt. Es gibt einige Blogs die ich früher gerne gelesen habe, wo nur noch eine Ansammlung von Werbung dargestellt wird. Hinzu kommt, dass es häufig (wenn überhaupt) für den Leser am Ende erst ersichtlich ist, dass es eine Werbeanzeige war. Damit verliert man als Blogger nicht nur seine eigene Glaubwürdigkeit – sondern verliert auf Dauer auch die treuen Leser…

7 KOMMENTARE

  1. Toller Post Liebes! Ich finde das super, dass du zu solchen Themen schreibst. Es ist am Anfang so schwer seinen Preis zu finden… Deshalb danke für die Tipps!

    Liebe Grüße
    Elena

  2. Danke für den tollen Beitrag! Besagten Matratzenhersteller kenne ich ebenfalls und bisher kam es offensichtlich nicht zu einer Kooperation. ;-) Ich glaube wir haben alle unsere persönlichen Highlights an Anfragen schon erlebt und ich finde es nach wie vor unschön, wenn Honorare an Reichweite gemessen werden. Ich befinde mich derzeit in der Misere, dass ich nicht mehr jeden Produkt-Deal annehme, aber noch eine zu geringe Reichweite habe, um bezahlt zu werden. Das trifft sicher nicht auf alle Unternehmen zu, aber auf die meisten. Ein Kommentar der zuletzt echt gesessen hat war: „Bei der Reichweite kann ich Dir kein Honorar anbieten!“ Bääm! und Autsch…ist meine Arbeit (Bilder shooten, Text schreiben, Social Media Posts etc.) etwa weniger Wert, nur weil ich weniger Menschen erreiche? (Es ging übrigens um eine Gesichtsmaske im Wert von 25 EUR.) Aber die Welt wird schon besser und das unter Anderem aufgrund so ehrlicher Beiträge wie Deinem hier. :-) Ich bleibe weiterhin konsequent und hey, oh Wunder – nicht jeder Beitrag auf meinem Blog muss eine bezahlte Kooperation sein. Das war nicht der Grund, weshalb ich mit dem Bloggen angefangen habe – vielleicht sollten sich das manche Unternehmen mal klar machen!

    Liebe Grüße
    Sara

  3. Genau die gleiche Anfrage von Papeterie habe ich auch bekommen und war schockiert wie dreist manche Marketing Manager seien können. Für mich ist es mittlerweile sehr erschreckend wie viel manche Instagramer oder Influencer mit nur einem Bild verdienen können. Das ist nur ein Bild und kein Text oder ein riesiges Konzept hinter wie man es von Blogposts kennt. Aber ich bin gespannt in welche Richtung sich die Branche noch entwickeln wird. Auf den Snapchat Zug bin ich noch nicht gesprungen, da es bei meiner Zielgruppe eher wenig Sinn macht und ich nicht die ganze Zeit auf Events mit dem Handy vor der Nase rumlaufen möchte. Um dann lauthals von der neusten Kooperation der Marke XY zu erzählen. Wünsche dir noch einen schönen Pfingsttag.

  4. Ich weiß, welche Matratzenfirma Du meinst. Mit denen hatte ich auch schon eine unangenehme Begegnung.

    Ganz besonders schwierig finde ich es in Hinblick auf die reinen Testblogger. Für mich sind die der Problembär des Typus Blogger. Die meisten feiern jedes Produkt ab, sei es das neueste Duschgel oder der nächste durchschnittliche Keks. Man freut sich über jeden Centartikel wie ein Schneekönig, vergisst die Hälfte der Zeit, sich an irgendwelche Regeln zu halten (viele kennen den Begriff sponsored post vermutlich nicht) und schraubt sich Gewinnspielsausen im Minutentakt heraus. Das sind dann meist Kooperationen mit oder Werbung für die liebe Anna, die liebe Jennifer oder sonstwen, der gerade mal wieder etwas soooooo tolles am Start hat…. Klar, daß die Preise dann auch gerne bei einem befreundeten Blogger landen, macht ja nix, ist ja alles Kaffeekränzchen mit echt lieben Freunden. Und bald ist ja dann auch wieder die nächste Sause fällig, weil schon wieder die nächsten 100 Follower an Bord sind. Egal, ob die typischen Verdächtigungen mit 8-10 Accounts teilnehmen oder ob es echte Menschen sind, die auch mal an Diskussionen teilnehmen, sowas nimmt man nicht wahr. Nicht selten kommen solche Seiten auf 1000 Teilnehmer pro Verlosung und vielleicht 10 Likes bei normalen Postings. Kann man die Dynamik tatsächlich nicht merken?

    Das ist für mich der Teil der Branche, der vieles in Hinblick auf den professionellen Umgang mit Firmen versaut. Im Grunde ein künstlicher Kreislauf. Man haut Content raus, den eh kaum einer liest und hält das Ganze mit Gewinnspielen in Gang. So mancher, der mal für ein paar Wochen / Monate diese Aktionen weglassen würde, würde sich sicherlich umgucken, ob die Seite allein durch die oft sehr dürftigen Produktbesprechungen zu halten sind.

    Ich gehe davon aus, daß viele Firmen sich mittlerweile lieber 10 Blogger „leisten“, die mit ein paar Kekspaketen zufrieden sind, als sich echte Blogger zu suchen, die schon selbst eine Marke sind. Nicht zu ändern leider :-(

    LG, Melli

  5. Theoretisch könnten wir ja konstruktiv damit umgehen und ein Buch mit den „coolsten“ Kooperationsanfragen veröffentlichen….ich hätte da auch einiges im Angebot. Danke für Eure tollen Beiträge…ich kommentiere zwar nicht immer, ABER ich lese! LG und noch einen schönen Feiertag.

  6. Weißt du, was das einzig Gute an dieser ganzen Kooperations-Misere ist? Es geht uns wenigstens allen gleich….
    Liebe Grüße,
    Annalena

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