Lorenz Adlon Esszimmer – Tradition is(s)t modern

Ein Esszimmer klingt für mich immer einladend, mit Freunden und der Familie gemeinsam zusammensitzen, den Tag genießen und ganz locker über Dinge des Alltags reden können. Eine Einladung in ein Esszimmer von einem Hotelbesitzer, klingt schon anders – doch auch sehr interessant. Wenn es sich dann beim Esszimmer nicht um ein „Familienevent“ handelt, sondern um ein 2-Sterne-Michelin-Restaurant, wird einerseits die Neugierde geweckt und andererseits auch ein wenig die Erwartungen. Der gemütliche Kuschelpullover getauscht gegen ein schönes Kleid und um 19.00 Uhr wurde ich freundlich in Empfang genommen – im Lorenz Adlon Esszimmer – im Hotel am Pariser Platz.

Lorenz Adlon Esszimmer - Hendrik Otto - zwei Sterne Koch - ADLON Hotel Kempinski - Pariser Platz Berlin - Brandenburger Tor - Kulinarische Reise - Foodblog - Foodblogger

Das Sternerestaurant in der ersten Etage, fast genau unter meiner wunderschönen Suite mit Blick auf den Pariser Platz gelegen und ein Ausblick, den man nicht oft genug genießen kann. Nach einer freundlichen Begrüßung durch Hendrik Otto,  sowie Restaurantmanager Boris Häbel und seinem Team, der erste Blick in das Esszimmer.

So kann man ein „Familienzimmer“ auch definieren. Ein atemberaubender Ausblick von nahezu jedem Tisch auf das beleuchtete Brandenburger Tor, die 40 Sitzplätze in zwei Bereiche geteilt – im vorderen Bereich das traditionelle Esszimmer, dahinter die Bibliothek. Auch sehr schön gestaltet, mit sehr viele liebe zum Detail. Tolle Verzierungen der Decken, wunderschöne Kunst auf Tischen und an den Wänden und eine warme und gemütliche Atmosphäre.

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Ich muss zugegeben, ich war zum ersten Mal an diesem Abend eine Spur überrascht. Hätte ich schon alleine durch die Erfahrungen in anderen Restaurants mit 2- oder 3-Michelin-Sternen erwartet, dass es hier sehr steif und extrem förmlich zugeht, durfte ich eine lockere Stimmung erfahren. Wo war der Smoking bei den Mitarbeitern – ein Teil des Teams fast gemütlich mit Pullover und Weste – es wirkte zum ersten Mal wieder für mich, wie ein Esszimmer –  bei Freunden…

Die Platzwahl wurde auf charmante Weise von Boris Häbel und seinem Team direkt übernommen und nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen Gästen. „Für die Dame die schöne Aussicht auf das Brandenburger Tor, für den Herrn den Blick auf die Dame – so hat jeder einen schönen Blick…“ Es wirkte sofort wie ein Eisbrecher, zwischen dem förmlichen Charakter eines 2-Sterne-Restaurants und einem gemütlichen Abendessen. Man merkte vielen Gästen direkt an, man war angekommen und leichte Gespräche entstanden.

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Die Blicke wanderten über die Tische der anderen Gäste und jeder schaute bereits, was gibt es als nächsten Gang, welcher Wein wird gewählt, welcher Aperitif. Der Service wurde nicht nach Protokoll für jeden Gast abgewickelt, sondern individuell. Spätestens nach dem ersten Gespräch mit dem Head Sommelier Herrn Shahab Jalali war klar, es wird ein interessanter, amüsanter und besonderer Abend, den man nicht vergisst.

Für einen Sommelier wie Herrn Jalali, der bekannt ist für eine individuelle und gute Weinempfehlung, passend für jeden Gast – weltweit anerkannt – ist ein Gast wie ich, natürlich ein „Albtraum“. Da ich gar keinen Alkohol trinke, wäre er theoretisch an meinem Tisch arbeitslos gewesen – doch auch dort wusste er, gekonnt Empfehlungen, auf eine äußerst charmante Art, für alkoholfreie Cocktails auszusprechen. Es kommt nicht häufig vor, dass man in der Sterne-Gastronomie ein so „bunt“ gemischtes Team erlebt, welches den Spass am Service, den Spass am Produkt und den Spass mit dem Gast versteht.

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Boris Häbel, der zuvor unter anderem als gastronomischer Leiter in Frankfurt („King Kamehameha Suite“) und davor im Burj al Arab in Dubai, sowie im Brick (mit Volker Drkosch) zuständig war, versteht es auf angenehme Art und Weise, den Abend besonders zu machen und sein persönliches Motto „den Gästen eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen, mit kulinarischen Highlights und persönlichem Service vor grandioser Kulisse.“ gelingt sofort.

Was an dem Abend nun noch fehlte, waren die kulinarischen Genüsse und Highlights vom Team um Hendrik Otto – „DEM“ Spitzenkoch. Hendrik Otto übernahm das Lorenz Adlon Esszimmer im Jahre 2010 und wurde im Jahr 2011 bereits mit dem ersten Michelin-Stern ausgezeichnet, im Folgejahr bereits mit dem zweiten Michelin-Stern, der auch im Jahr 2015 wieder bestätigt wurde.

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Gault-Millau vergibt in der 2015-Ausgabe 18 Punkte und damit drei Kochmützen und hebt den technischen Schwierigkeitsgrad und klassische Luxusprodukte hervor, sowie das Team um Boris Häbel, welches ausgesprochen heiter auftritt. Bereits jetzt verweist Gault Millau auf die nächste Kochmütze mit dem Satz „Hier läuft sich, wenn alles so weiter geht, der Berliner Favorit für die nächste vierte Kochmütze warm“

Hendrik Otto, besuchte nach seiner Ausbildung zum Koch im „Kurhotel Lauterbad“ und Stationen als Commis de Cuisine im „Hearlin“ des Vier Jahreszeiten in Hamburg, das „Brenner’s Park Hotel“ in Baden-Baden und die „Traube Tonbach“ in Baiersbronn. Das erste Mal als Chef de Cuisine war Hendrik Otto dann im bekannten „Landhaus Flottbek“ in Hamburg, anschließend erfolgte der Wechsel in das „La Vision“ im „Hotel am Wasserturm“ in Köln, wo er seinen ersten Michelin-Stern erhalten hat und in den sechs Folgejahren jeweils bestätigte. Im Jahre 2008 wechselte Hendrik Otto in das Restaurant „Vitrum“ des Hotels Ritz-Carlton und wurde wieder mit einem Stern und 16 Gault Millau Punkten ausgezeichnet.

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Die Beschreibung der Küche von Hendrik Otto trifft das Motto „Tradition is(s)t modern“ perfekt. Hatte ich mich innerlich bereits wieder auf experimentelle Bauwerke mit sechsfach gestapelten Wasabi-Kugeln an weißer Schokolade mit einem Hauch Schnecken-Essenz vorbereitet, so zeigt Hendrik Otto mit seinem Team, eine tolle Verbindung von traditioneller Küche mit modernen Akzenten. Gerichte, die man auch genießen und essen kann.

Man merkt sofort – Hendrik Otto ist anders, das Esszimmers ist anders – und das macht den Abend direkt besonders. Eine schöne Auswahl an Gerichten, sehr aufmerksame Mitarbeiter, die sich vorzüglich um die Gäste an allen Tischen kümmern und sofort Alternativen anbieten, wenn ein Gang nicht in der Abfolge zusagt.

Ich habe es schon anders erlebt, dass man den Restaurantleiter und Koch besser nicht fragen sollte, ob man einen Gang tauschen darf und es nur vorwurfsvolle Blicke gab – „der Koch hat sich schließlich etwas dabei gedacht…!“. Im Lorenz Adlon Esszimmer ist es das Gegenteil, es wird immer versucht, eine Wohlfühlatmosphäre durch den Abend zu garantieren und so verwundert es auch nicht mehr, wenn das Brot in einer Schale mit heißen Steinen serviert wird und auf der Menüfolge „Grillspieß Schwager Art“ steht.

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Hatte ich vor einigen Tagen noch die Frage gestellt, ob es möglich ist, in einem 2-Sterne-Restaurant, Speisen mit einem Tischgrill vor meinen Augen zubereitet zu bekommen, so kann ich dieses nun bestätigen.

Da ich relativ früh im Restaurant an dem Abend war, schauten viele Gäste immer wieder auf meinen Tisch, was ich als nächsten Gang serviert bekam. Wenn in einer so traumhaften Kulisse, mit Blick auf das Brandenburger Tor, ein Tischgrill auf einem liebevoll und passend dekorierten Wagen hereingefahren wird, ist die Aufmerksamkeit aller Restaurantbesucher gewiss.

Besonders schön sind natürlich dann beim Servieren die Geschichten, wie es dazu kam, einen Tischgrill in die Menüfolge einzbauen und warum der Grillspieß auch „Schwager Art“ hieß. Diese Momente lockern nicht nur unheimlich die Stimmung im Restaurant, sondern lassen viele Gäste auch miteinander kurz reden. „Was haben Sie sich denn bestellt – das sieht aber gut aus – bekommen wir den Gang auch“ und der ursprüngliche „steife“ Gedanke an ein Zwei-Sterne-Restaurant war für alle Besucher verflogen.

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Hendrik Otto versteht es, traditionelle Gerichte mit Feinheiten hervorzuheben, ein Hauch von Haute Cuisine in moderner Form – ein Zusammenspiel von kleinen Details und vorzüglichen Saucen. Hendrik Otto und sein Küchenteam nehmen den Gast auf eine Reise durch alle Sinne mit – es ist ein Erlebnis und jeder Gang verzaubert neu.

Ein verstohlener Blick in die Speisekarte – wie wird es angerichtet sein, welche Sauce dazu gereicht. Welche Details und Verzierungen entdeckt man wieder auf dem Teller. Man war von Beginn an dabei und genoss jeden einzelnen Moment.

Wer von Euch nun wissen möchte, welche Speisen während des Abends noch serviert wurden, nach vorzüglichen „Amuse-Bouche“, den „Grüßen aus der Küche“, für den habe ich einmal das Menü des Abends mit den beiden jeweiligen Alternativen beigefügt.

Gänseleber

Kaffee, Zwetschge, Orangenschale, Himbeere, gestockte Milch, Trüffel

Jakobsmuschel

Geräucherte Paprika, Aioli, Pampelmuse, Gurke, Seeigelkaviar, Miere, Dill

Bouillabaisse

Staudensellerie, Tomate, Zucchini, Estragon

Doradenbauch / Fischauszug

Calamaretti, Limette, Kopfsalat, eingelegte Perlzwiebeln, Majoran, Koriander

Makrele / Weißbrot

Paprika, Ananas-Kaviar, grüne Gazpacho, Walnussöl, Minze

Fenchel / Bauernspeck / Gewürzsud

konfierte Tomate, Granatapfel, Zitrone, Vogelmiere, Thymian

Grillspieß „Schwager Art“

Bamberger Hörnchen, gefrorener Ziegenquark, 5-Kräuter-Mischung

Kaninchenrücken / Pahlbohnenragout

Schinken, Aubergine, Tomate, Rosmarin

Short Rib / Borschtsch

Wurzelgemüse, Meerrettich, Buttermilch, Majoran

Salzwiesenlamm / Braten-Gemüsesaft

Zwiebel, Sellerie, Kichererbse, Curry, Estragon

Gebackener Camembert / Perigord Trüffel

Feldsalat, Johannisbeere, Feige

Friesisch Blu

Portwein, Oliven

Schokoladenluft & Creme

Brombeere, Sanddorn, Hagebutte, Haferflocken, gestockte Schafssahne, Lavendel

Sorbet von Grapefruit

Tonic, Joghurt, weiße Schokolade, Tahiti Vanille, Sauerteigbrot

Einen persönlichen Favoriten aus der Menüfolge auszuwählen ist einfach viel zu schwierig. Die Gerichte waren jeweils perfekt aufeinander abgestimmt – jeder einzelne Gang ein individuelles Highlight.

Natürlich sind die Preise im Lorenz Adlon Esszimmer nicht mit dem Restaurant Quarré vergleichbar und doch im Vergleich zu vielen weiteren Sterne-Restaurants sehr fair. So müsst Ihr für ein Hauptgang ca. 60 EUR kalkulieren, für ein 4-Gänge-Menü ca. 120 EUR. Was dabei natürlich zu bedenken ist, es gibt noch die „Grüße aus der Küche“ dazu, sowie das Erlebnis und die einmalige Aussicht.

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Man geht natürlich nicht täglich in ein 2-Sterne-Restaurant, sondern zu besonderen Anlässen oder wenn man sich einmal einen besonderen Abend in Berlin machen möchte.

LORENZ ADLON ESSZIMMER – MEIN FAZIT – 2-STERNE-RESTAURANT

Hendrik Otto mit seinem Küchenteam, Boris Häbel mit seinem Restaurantteam schaffen es die Esszimmer-Atmosphäre aufleben zu lassen und die Gäste sofort auf eine Reise mitzunehmen. Kulinarische Genüsse, gepaart mit dem besonderen Team der Mitarbeiter schaffen eine besondere Stimmung, die man so nicht erwartet hätte.

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Das Motto von Hendrik Otto „Tradition is(s)t modern“ wird perfekt umgesetzt und ist für jeden Besucher ein besonderes Erlebnis. Hendrik Otto zeigt, wie es möglich ist, die klassischen Gerichte der europäischen Küche modern zu interpretieren und zu kleinen – aber essbaren – Kunstwerken zu formen.

Ein Abend im Esszimmer bedeutet nun auch, eine neue Alternative gefunden zu haben – es kann gemütlich bei der Familie oder Freunden auf der Couch sein, am Tisch im Esszimmer mit netten Geschichten, aber auch im Lorenz Adlon Esszimmer im ADLON Hotel Kempinski in Berlin. Die besonderen Momente, die Geschichten zum Weitererzählen beim nächsten Familienbesuch, erlebt Ihr auch dort.

Schon längst kein Geheimtipp mehr in Berlin – aber eine uneingeschränkte Empfehlung für einen wunderschönen Abend, mit tollen Menschen. Hendrik Otto, Boris Häbel und das Team vom Lorenz Adlon Esszimmer zeigen auf angenehme Weise, wie man gehobene Sterneküche mit einem Wohlfühlfaktor versehen kann.

Für mich war es sicherlich nicht der letzte Besuch im Lorenz Adlon Esszimmer und wenn Ihr einmal überlegt, auch das Erlebnis Berlin mit dem atemberaubenden Blick auf das Brandenburger Tor und einem besonderen Abendessen zu kombinieren, so solltet Ihr natürlich vorab einen Tisch reservieren. Dieses ist möglich unter der Telefonummer +49-30-2261-1960 sowie unter der EMailadresse lorenz.adlon (at) kempinski.com.

Vielen Dank für einen unvergesslichen Abend im Lorenz Adlon Esszimmer mit wundervollen Menschen!

Hinweis: Ich wurde vom ADLON Hotel Kempinski und dem Lorenz Adlon Esszimmer zu diesem Abend eingeladen. Meine Meinung bleibt hiervon natürlich unberührt.